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|8 min read|Manuel Hedinger

Microsoft 365-Preiserhöhung Juli 2026: Warum Schweizer KMU jetzt ihren Software-Stack prüfen sollten

Microsoft 365 Business-Pläne werden ab Juli 2026 um bis zu ca. 16% teurer (Basic $6→$7). Was das für Schweizer KMU bedeutet und wie ein Software-Audit Kosten freilegt.

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Am 1. Juli 2026 — in wenigen Tagen — werden Hunderttausende Unternehmen ihre Microsoft 365-Rechnung erhalten und staunen. Bei den Business-Plänen wird Business Basic um ca. 16 Prozent teurer ($6 → $7), Business Standard um ca. 12 Prozent ($12.50 → $14). Business Premium bleibt bei $22 – ohne diese Erhöhung. (Andere Segmente, z. B. Frontline, können separat stärker steigen und gehören nicht in die «Business bis 25 Prozent»-Pauschale.) Für ein KMU mit 15 Mitarbeitenden im Standard-Plan summiert sich das auf rund CHF 270 Mehrkosten pro Jahr — noch bevor eine einzige neue Funktion genutzt wurde.

Das wäre verkraftbar, wenn es bei Microsoft bliebe. Aber Microsoft ist nicht allein. In den vergangenen 18 Monaten haben viele grossen SaaS-Anbieter ihre Preise angehoben — oft mit dem Argument, KI-Funktionen zu finanzieren, die viele KMU gar nicht nutzen. Branchenschätzungen zum Schweizer SaaS-Markt und zur SaaS-Nutzung bei KMU schwanken je nach Quelle; belastbare, einheitliche Zahlen für «CHF 3,2 Milliarden» und «78 Prozent der KMU» sind hier nicht als harte Statistik gesetzt. Sicher ist: Die meisten Betriebe nutzen mehrere Abos — und die Gesamtkosten landen selten in einer einzigen Budgetzeile.

Genau das ist das Problem. Die Einzelrechnung wirkt harmlos. Die Summe aller Abonnements auf einem Blatt Papier sieht anders aus. Wer in den nächsten Tagen die M365-Preiserhöhung als Anlass nimmt, den eigenen Software-Stack einmal von oben zu betrachten, hat die Chance, deutlich mehr als diese eine Preiserhöhung aufzufangen.

Was sich ab Juli 2026 bei Microsoft 365 ändert

Microsoft begründet die Anpassungen mit neuen KI-, Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen, die in alle Pläne integriert werden. Die Erhöhungen gelten für alle kommerziellen Abonnements weltweit, mit regionalen Anpassungen. Konkret sehen die neuen Monatspreise so aus:

PlanBisheriger PreisNeuer PreisSteigerung
Business Basic$6.00/User$7.00/User+16%
Business Standard$12.50/User$14.00/User+12%
Business Premium$22.00/User$22.00/User0% (unverändert)

Was bedeutet das in CHF für ein typisches Schweizer KMU? Bei 10 Usern im Business Standard-Plan steigen die Kosten von rund CHF 1'500 auf rund CHF 1'680 pro Jahr — eine Differenz von CHF 180. Klingt überschaubar. Bei 25 Usern sind es CHF 450 mehr pro Jahr, allein für die Basislizenz. Business Premium ändert sich in dieser Runde nicht; wer dort sitzt, spürt die Juli-Anpassung bei diesem Plan nicht. Wer zusätzlich Copilot-Lizenzen oder Add-ons nutzt, zahlt entsprechend mehr.

Wichtig für die Planung: Microsoft hat im Februar 2026 die europäischen Preise zunächst um durchschnittlich 7,4 Prozent gesenkt, um eine EU-Regulierungsanforderung zu erfüllen. Die Juli-Erhöhung kommt bei den betroffenen Plänen on top. Wer seine Jahreslizenz vor dem 1. Juli 2026 verlängert, kann den alten Preis noch einmal für 12 Monate sichern — das lohnt sich bei grösseren Teams vor allem bei Basic und Standard.

Das grössere Bild: Warum SaaS-Kosten generell steigen

Microsoft ist kein Einzelfall. Die Unternehmensoftwarebranche hat in den vergangenen zwei Jahren eine koordinierte Verschiebung hin zu aggressiveren Preismodellen vollzogen. Drei Faktoren treiben das:

KI-Monetarisierung. Anbieter integrieren KI-Funktionen in Basislizenzen und heben dafür die Preise an — unabhängig davon, ob die Kundschaft diese Funktionen nutzt oder will. Wer kein KI-Copilot braucht, zahlt trotzdem für die Infrastruktur dahinter.

Marktkonsolidierung. Nach Jahren intensiven Wettbewerbs haben die grossen SaaS-Anbieter ihre Marktpositionen gefestigt. Der Wechselaufwand für KMU ist gestiegen — und das wissen die Anbieter. Preiserhöhungen werden weniger durch Abwanderung bestraft als früher.

Währungseffekte. Viele SaaS-Tools werden in USD oder EUR fakturiert. Der Franken hat sich zwar stabilisiert, aber für KMU, die in CHF kalkulieren, bleibt Währungsrisiko ein realer Kostenfaktor.

Das NZZ KMU Barometer 2026 nennt künstliche Intelligenz als eines der zentralen Themen unter Schweizer KMU-Führungskräften (u. a. mit rund 49 Prozent Nennungen in der jeweiligen Auswertung) — nicht zwingend und nicht in jeder Formulierung als «die grösste strategische Herausforderung überhaupt». Gleichzeitig deuten Erhebungen zur Digitalisierung von KMU (u. a. SECO/BFS-Umfeld, je nach Erhebungsjahr und Frage) darauf hin, dass ein grosser Teil der Betriebe den Wettbewerbsvorteil der bisherigen Digitalisierung nur eingeschränkt sieht; pauschale «60 Prozent (BFS)»-Sätze sollten mit Quelle und Jahr der konkreten Erhebung gelesen werden. Die Tendenz bleibt: Viele zahlen für Software — und ernten wenig Struktur.

Der Software-Audit in 4 Schritten

Bevor wir konkrete Massnahmen besprechen, lohnt es sich, einen klaren Überblick zu schaffen. Ein Software-Audit für ein KMU mit 10 bis 50 Mitarbeitenden dauert erfahrungsgemäss einen halben bis ganzen Arbeitstag — und liefert oft überraschende Ergebnisse.

Schritt 1: Bestandsaufnahme Alle aktiven Abonnements erfassen. Die verlässlichste Methode: Kreditkartenauszüge und Bankbelege der letzten 12 Monate durchgehen. Ergänzend hilft ein Blick in den E-Mail-Posteingang nach Begriffen wie "invoice", "Rechnung", "subscription renewed". Resultat: eine vollständige Liste aller Tools mit Kosten, Abrechnungsintervall und Anzahl lizenzierten Usern.

Schritt 2: Nutzung messen Die meisten SaaS-Tools bieten in der Admin-Konsole Nutzungsstatistiken. Wie viele der lizenzierten User haben sich in den letzten 30 Tagen eingeloggt? Welche Funktionen werden tatsächlich verwendet? Tools mit unter 30 Prozent aktiver Nutzung sind Kandidaten für die Kündigung oder Downsizing.

Schritt 3: Überschneidungen identifizieren Welche Funktionen werden von mehreren Tools abgedeckt? Klassische Beispiele: Slack und Microsoft Teams parallel aktiv; Notion und Confluence; Zoom und Teams Meetings. Oft ist die Überschneidung historisch gewachsen und niemandem mehr bewusst.

Schritt 4: Entscheidungen strukturieren Für jedes Tool eine von vier Kategorien: behalten (aktiv genutzt, kein Ersatz), optimieren (auf günstigeren Plan downgraden), ersetzen (durch bereits bezahltes Tool oder Open Source), kündigen (kaum genutzt, kein klarer Nutzen). Das Ergebnis ist eine priorisierte Massnahmenliste, keine Wunschvorstellung.

Konkrete Einsparpotenziale — was Schweizer KMU tun können

Ein 10-Personen-Team, das 8 bis 12 SaaS-Abonnements aktiv betreibt, zahlt typischerweise CHF 800 bis CHF 1'200 pro Monat. Das entspricht CHF 9'600 bis CHF 14'400 pro Jahr — eine Budgetgrösse, die eine strukturierte Prüfung rechtfertigt. Ein Basler Dienstleistungsunternehmen mit 45 Mitarbeitenden konnte durch systematische Tool-Konsolidierung die monatlichen SaaS-Kosten von CHF 8'400 auf CHF 4'200 halbieren.

Wo liegen die häufigsten Hebel?

Ungenutzte Lizenzen kündigen. Das klingt offensichtlich, wird aber regelmässig übersehen. Eine Lizenz, die nach dem Austritt eines Mitarbeitenden nicht deaktiviert wurde, läuft jahrelang weiter. Bei grösseren Teams kann dieser Posten schnell CHF 100 bis CHF 500 pro Monat ausmachen.

Planwechsel prüfen. Viele KMU nutzen Premium-Pläne, brauchen aber nur Basis-Funktionen. Bei Projektmanagement-Tools, CRM oder Videokonferenz-Software lohnt ein Blick auf die tatsächlich genutzten Features — oft reicht ein Plan darunter.

Website-Betrieb mitrechnen. Der eigene Webauftritt fehlt in vielen Tool-Listen — dabei summieren sich Baukasten-Abo, Plugins, Hosting und Wartung schnell auf mehrere hundert Franken pro Monat. Welche Posten dabei anfallen und was realistisch ist, zeigt die Übersicht der Website-Kosten.

Automatisierung statt teurer Integrationstools. Viele Unternehmen nutzen Zapier oder ähnliche Dienste für CHF 50 bis CHF 200 pro Monat, um einfache Datenflüsse zwischen Tools zu verbinden. Mit n8n self-hosted oder über einen Schweizer Hoster lassen sich dieselben Automatisierungen oft für einen Bruchteil der Kosten umsetzen — und die Daten bleiben in der Schweiz, was für die DSG-Konformität relevant ist.

Schweizer Hosting statt US-Clouds. Wer Datensouveränität ernst nimmt, prüft, welche Tools auf Schweizer Servern betrieben werden können. Die AWS-Region Zürich, Exoscale oder Infomaniak bieten Infrastruktur mit klarer DSGVO- und revDSG-Abdeckung. Für sensible Geschäftsdaten ist das kein nettes Extra, sondern ein Compliance-Argument.

Massgeschneiderte Teilersetzungen. Für Unternehmen mit sehr spezifischen Anforderungen rechnet sich manchmal eine Eigenentwicklung. Eine massgeschneiderte Applikation, die drei teure SaaS-Tools teilweise ersetzt, amortisiert sich bei Einsparungen von CHF 500 pro Monat innerhalb von 12 bis 18 Monaten. Das ist kein Weg für jeden Use Case — aber für klar definierte, langfristige Anforderungen eine realistische Option.

Wann sich eine externe Beratung lohnt

Ein Software-Audit lässt sich intern durchführen. Für viele KMU ist die Schwierigkeit aber nicht die Methodik, sondern die Zeit und die nötige Distanz zum Tagesgeschäft. Wer mitten im Betrieb steckt, entscheidet selten mit dem nötigen Abstand über Tools, die das eigene Team täglich benutzt.

Externe Unterstützung lohnt sich konkret in drei Situationen: wenn das Software-Budget über CHF 2'000 pro Monat liegt und unklar ist, was wirklich gebraucht wird; wenn geplante Investitionen — neues CRM, neues ERP, KI-Integration — die bestehende Toollandschaft berühren und eine saubere Entscheidungsgrundlage gefragt ist; oder wenn strategische Digitalvorhaben im Raum stehen, die über einzelne Tools hinausgehen.

Hedinger-Digital begleitet Schweizer KMU bei genau dieser Art von Entscheidungen — herstellerunabhängig, praxisnah, mit Fokus auf messbaren Ergebnissen statt auf Präsentationen, die im Ordner verschwinden. Der Einstieg ist eine strukturierte Standortanalyse: Was haben Sie, was brauchen Sie, wo liegen die grössten Hebel?

Die Microsoft 365-Preiserhöhung kommt in wenigen Tagen. Sie können jetzt eine Lizenz vor dem 1. Juli verlängern und 12 Monate Zeit gewinnen. Oder Sie nutzen diesen Moment als Anlass für eine ehrliche Bestandsaufnahme — und gehen aus diesem Jahr mit einem Software-Stack, der tatsächlich zu Ihrem Unternehmen passt.

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