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|6 min read|Hedinger-Digital

Statische Website vs. WordPress: Der ehrliche Vergleich

WordPress oder statische Website? Wir vergleichen Kosten, Sicherheit und Performance - mit konkreten Zahlen für Schweizer KMU.

WebKMU

WordPress betreibt 43% aller Websites weltweit. Eine beeindruckende Zahl. Aber bedeutet das, dass WordPress auch für Ihr Unternehmen die richtige Wahl ist? Die ehrliche Antwort: nicht unbedingt.

Der weit verbreitete Irrtum

"Nimm WordPress, das nutzen alle." Diesen Rat hören Unternehmer seit Jahren. Und er klingt vernünftig: WordPress ist etabliert, es gibt tausende Themes und Plugins, und jede Webagentur kennt sich damit aus.

Woher kommt diese Annahme?

  • WordPress war lange die einzige bezahlbare Option für professionelle Websites
  • Die grosse Community vermittelt ein Gefühl von Sicherheit
  • Viele Agenturen empfehlen, was sie kennen - nicht was optimal ist
  • Marketing von Hosting-Anbietern, die an WordPress-Hosting verdienen

Das Problem: Was 2010 die beste Lösung war, ist 2026 nicht automatisch immer noch die richtige Wahl. Die Webtechnologie hat sich weiterentwickelt. Die Frage ist: Hat sich Ihre Website-Strategie mitentwickelt?

Der ehrliche Vergleich

Bevor wir in Details gehen, hier die Fakten auf einen Blick:

AspektStatische WebsiteWordPress
Ladezeit50-200ms500ms-3s
SicherheitsrisikoMinimalHoch (90% aller Hacks)
Hosting-Kosten/JahrCHF 0-120CHF 200-600
WartungsaufwandKeinerRegelmässig
Gesamtkosten/JahrCHF 0-320CHF 850-3'000

Diese Zahlen sind keine Theorie. Sie stammen aus realen Projekten mit Schweizer KMU.

Was Sie NICHT tun sollten

"WordPress ist sicher, solange man es aktuell hält" ist nur die halbe Wahrheit.

Vermeiden Sie diese Denkfehler:

  1. Blind der Masse folgen: 43% Marktanteil bedeutet auch: 43% aller Angriffe zielen auf WordPress. Hacker entwickeln automatisierte Tools speziell für WordPress-Schwachstellen.

  2. Wartungskosten ignorieren: Ein Plugin-Update kann Ihre Website lahmlegen. Ein vergessenes Sicherheitsupdate öffnet Türen für Angreifer. Diese versteckten Zeitkosten rechnet kaum jemand ein.

  3. Komplexität unterschätzen: Für eine einfache Unternehmenswebsite brauchen Sie bei WordPress: Core, Theme, 10-15 Plugins, eine Datenbank, PHP, einen konfigurierten Webserver. Jede Komponente ein potenzielles Problem.

Die Sicherheitsrealität

Sprechen wir Klartext: Über 90% aller gehackten Websites weltweit laufen auf WordPress. Das ist kein Zufall.

Ein typisches Szenario:

Ein Schweizer Handwerksbetrieb nutzt WordPress mit einem Contact-Form-Plugin. Nach einem Jahr ohne Updates hat das Plugin eine bekannte Sicherheitslücke. Ein Bot findet die Lücke, injiziert Schadcode, und plötzlich leitet die Website Besucher auf dubiose Seiten um.

Das Resultat: Google markiert die Seite als gefährlich, Kunden verlieren Vertrauen, der Schaden beläuft sich auf mehrere tausend Franken.

Bei einer statischen Website:

Es gibt keine Datenbank, die gehackt werden kann. Keinen Admin-Login, der geknackt werden kann. Keine Plugins mit Sicherheitslücken. Keine ausführbare Serverlogik. Die Website besteht nur aus HTML, CSS und JavaScript-Dateien - so sicher wie ein gedruckter Flyer.

Die Dreijahres-Rechnung

Entwicklungskosten sind bei beiden Ansätzen vergleichbar. Der Unterschied liegt im Betrieb:

PostenWordPress (3 Jahre)Statisch (3 Jahre)
EntwicklungCHF 5'000CHF 5'000
HostingCHF 1'200CHF 0-360
SSL-ZertifikatCHF 150-600Inklusive
Sicherheit/BackupsCHF 300-600Nicht nötig
Wartung/UpdatesCHF 1'500-6'000CHF 0-600
GesamtkostenCHF 8'150-13'400CHF 5'000-5'960

Das sind CHF 3'000-7'500 Ersparnis über drei Jahre. Dazu kommen: keine verlorenen Stunden wegen gehackter Websites, keine Nervosität bei jedem Update, keine Abhängigkeit von Wartungsverträgen.

Wo WordPress tatsächlich punktet

Wir wären nicht ehrlich, wenn wir nicht auch die Stärken von WordPress nennen würden:

E-Commerce mit vielen Produkten

Bei einem Online-Shop mit 5'000+ Produkten, täglichen Preisänderungen und komplexer Lagerverwaltung ist WooCommerce oft die praktischere Lösung. Statische Websites können das auch, aber der Aufwand steigt.

Nutzer-generierte Inhalte

Foren, Bewertungsportale oder Community-Plattformen, bei denen Besucher selbst Inhalte erstellen - hier brauchen Sie eine Datenbank und Nutzer-Authentifizierung. WordPress liefert das von Haus aus.

Häufige Änderungen durch Nicht-Techniker

Wenn Ihr Marketing-Team täglich mehrere Seiten bearbeitet und dabei volle Kontrolle über Layout und Design braucht, kann der klassische WordPress-Editor komfortabler sein als ein Headless CMS.

Wo statische Websites die bessere Wahl sind

Für die Mehrheit der Schweizer KMU sind statische Websites die überlegene Lösung:

Unternehmenswebsites

Ihre Dienstleistungen, Ihr Team, Ihre Referenzen - diese Inhalte ändern sich vielleicht vierteljährlich. Dafür brauchen Sie keine Datenbank, die 24/7 läuft und geschützt werden muss.

Portfolios und Präsentationen

Architekten, Designer, Fotografen - wenn Ihre Website primär Ihre Arbeit zeigt, profitieren Sie massiv von schnellen Ladezeiten und stabiler Darstellung.

Blogs und Content-Marketing

Dieser Blog, den Sie gerade lesen, ist statisch. Die Artikel werden in Markdown geschrieben und bei Veröffentlichung zu HTML kompiliert. Schnell, sicher, unkompliziert.

Landing Pages und Kampagnen

Marketing-Seiten müssen schnell laden. Jede Sekunde Verzögerung kostet Konversionen. Statische Seiten liefern in unter 200 Millisekunden - WordPress braucht oft das Zehnfache.

Dokumentation und Ressourcen

Technische Dokumentation, Anleitungen, Wissensdatenbanken - alles, was gelesen, aber selten geändert wird, gehört auf eine statische Website.

Fünf Fragen für Ihre Entscheidung

Beantworten Sie diese Fragen ehrlich:

  1. Wie oft ändern sich Ihre Inhalte? Wöchentlich oder seltener: Statisch. Täglich und durch mehrere Personen: WordPress prüfen.

  2. Wer bearbeitet die Website? Technisch versiert oder bereit, ein neues Tool zu lernen: Statisch. Muss exakt wie Word funktionieren: WordPress.

  3. Brauchen Sie Nutzer-Logins? Nein: Statisch. Ja, mit Profilen und nutzergenerierten Inhalten: WordPress oder Custom-Lösung.

  4. Wie wichtig ist Sicherheit? Kritische Geschäftsdaten oder sensibler Bereich: Statisch (minimale Angriffsfläche). Standard-Website ohne sensible Daten: Beides möglich.

  5. Was ist Ihr Budget für Wartung? Kein laufendes Budget: Statisch. CHF 100-300 pro Monat eingeplant: WordPress möglich.

Wenn drei oder mehr Antworten Richtung "Statisch" zeigen, ist die Entscheidung klar.

Der pragmatische Ansatz

Statt kategorisch zu entscheiden, empfehlen wir:

  1. Anforderungen analysieren: Was muss die Website wirklich können? Nicht was wäre nett, sondern was ist notwendig?

  2. Gesamtkosten berechnen: Entwicklung plus drei Jahre Betrieb. Nicht nur die Agenturrechnung, auch Ihre Zeit für Wartung und Updates.

  3. Sicherheitsrisiko bewerten: Was passiert, wenn die Website gehackt wird? Imageschaden? Datenverlust? Geschäftsausfall?

  4. Zukunft bedenken: Wird die Website in zwei Jahren dieselben Anforderungen haben? Oder wächst sie in eine Richtung, die einen anderen Ansatz erfordert?

Fazit

"WordPress, weil das alle nutzen" ist keine Strategie - es ist eine Gewohnheit.

Für die meisten Schweizer KMU - Handwerksbetriebe, Beratungen, Agenturen, Praxen - sind statische Websites die bessere Wahl: schneller, sicherer, günstiger im Betrieb, wartungsfrei.

WordPress hat seine Berechtigung bei komplexem E-Commerce, nutzergenerierten Inhalten und Websites mit sehr häufigen Änderungen durch Nicht-Techniker. Aber das trifft auf weniger Unternehmen zu, als die WordPress-Popularität vermuten lässt.

Die Frage ist nicht "WordPress oder statisch?". Die Frage ist: "Was braucht mein Unternehmen wirklich?"


Möchten Sie wissen, welcher Ansatz für Ihr Unternehmen der richtige ist? In unserem Artikel Warum statische Websites die Zukunft sind erfahren Sie mehr über die technischen Hintergründe.

Oder sprechen Sie direkt mit uns - wir beraten Sie ehrlich, auch wenn das bedeutet, dass wir WordPress empfehlen.

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