Claude Usage Policy 2026: Was ab 12. November gilt

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Am 12. November 2026 tritt eine neue Fassung der Usage Policy von Anthropic in Kraft. Für den Alltag mit Claude ändert sich wenig. Wer Claude aber nutzt, um Bewerbungen vorzusortieren, Kreditanfragen zu bewerten oder Kundschaft rechtlich oder finanziell zu beraten, sollte bis dahin prüfen, ob ein qualifizierter Mensch die Ergebnisse tatsächlich prüft und die Betroffenen informiert werden.
Anthropic hat die Änderungen am 8. Oktober veröffentlicht und beschreibt die meisten davon als Klarstellung bestehender Regeln. Neu geordnet ist vor allem der Abschnitt zu Hochrisiko-Anwendungen. Er sagt jetzt genauer, welche Empfehlungen betroffen sind und was dafür vorgeschrieben ist.
Was sich in der Usage Policy 2026 ändert
Die Policy gliedert sich in drei Teile: allgemeine Verbote, Anforderungen für Hochrisiko-Anwendungen und zusätzliche Richtlinien, etwa für Kunden-Chatbots, Agenten und Produkte für Minderjährige. Die Änderungen im Überblick:
- Täuschende Kampagnen: Regeln gegen Fake-Accounts und erfundene Nachrichtenseiten sind in einem eigenen Abschnitt gebündelt. Er gilt für politische wie kommerzielle Zwecke. Wer Claude für automatisierte Bewertungen, Fake-Profile oder gekaufte Reichweite einsetzt, verstösst damit klar gegen die Policy.
- Wahlen: Der Abschnitt heisst nun «Do Not Undermine Democratic Processes» und richtet sich nur noch gegen Täuschung und Störung. Das pauschale Verbot personalisierter Wahlansprache entfällt.
- Waffen und Überwachung: Beides wird präziser gefasst. Personen ohne ihre Einwilligung zu verfolgen ist ausdrücklich verboten. Anthropic schreibt dazu, dass dies keine Änderung der Durchsetzung bedeutet.
- Physische Aktionen: Wird Claude mit Hardware verbunden, die ohne menschliche Freigabe handelt, braucht es eine Person, die den Betrieb beobachten und stoppen kann. Die Anlage muss bei Verbindungsverlust einen sicheren Zustand halten.
- Missbrauch gegenüber dem Modell: Anhaltende, sinnlose Grausamkeit gegenüber Claude ist neu ausgeschlossen. Normale Frustration und Tests sind ausdrücklich nicht gemeint.
Für die meisten Firmen sind nur zwei Punkte relevant: die Hochrisiko-Regeln und die Regionenpolitik.
Wann Claude als Hochrisiko-Anwendung gilt
Die Policy spricht von «High-risk AI Recommendations». Gemeint sind Empfehlungen, die Gesundheit, Rechte, Finanzen, Arbeit oder den Zugang zu Wohnen, Bildung und Grundleistungen betreffen. Die Liste ist konkret:
- Arbeit: Bewerbungen filtern, ranken oder ablehnen, Schichten, Pensen oder Löhne ändern, Leistung bewerten, kündigen.
- Finanzen und Kredit: persönliche Anlageempfehlungen, Steuerberatung für Einzelne, Kredite bewilligen oder ablehnen, Bonität bewerten.
- Versicherung: Policen berechnen, Schadenfälle entscheiden, Verträge kündigen.
- Wohnen: Mietbewerbungen annehmen, ablehnen oder ranken.
- Recht und Medizin: Rechtsberatung zu einem konkreten Fall, Dokumente zum Unterschreiben vorbereiten, Diagnosen, Therapie- und Dosierungsempfehlungen.
- Bildung: Zulassungen, Prüfungsnoten mit Folgen, Entzug von Diplomen.
Nicht darunter fällt, was Claude innerhalb einer Firma vorbereitet, ohne dass es als Empfehlung an eine betroffene Person oder als Entscheidung über sie nach aussen geht. Ein Entwurf für eine Absage, den eine Personalerin liest und selbst entscheidet, ist etwas anderes als eine automatisch versandte Absage.
Welche zwei Pflichten dann gelten
Bei Hochrisiko-Empfehlungen verlangt die Policy zwei Dinge.
Qualifizierter Mensch im Prozess. Eine Person mit Ausbildung oder Erfahrung im Fachgebiet prüft die Empfehlung, bevor sie weitergegeben oder umgesetzt wird. Sie darf sie ändern und bleibt für das Ergebnis verantwortlich. Wo das Gesetz für die Tätigkeit eine Lizenz verlangt, braucht diese Person sie auch.
Offenlegung. Wer Beratung erhält oder von einer Entscheidung betroffen ist, muss klar erfahren, dass KI beteiligt war. Anthropic oder Claude müssen nicht genannt werden.
Die Policy hält ausdrücklich fest, dass diese Pflichten das lokale Recht nicht ersetzen. Bei Konflikten oder strengeren Vorgaben gilt das lokale Recht. In der Schweiz kann deshalb zusätzlich das Datenschutzgesetz greifen, etwa bei automatisierten Einzelentscheidungen. Welche Pflichten das im Einzelfall sind, klärt eine Rechtsberatung. Einen Überblick zum Datenschutz bei KI-Tools bietet der Beitrag Datenschutz bei KI-Tools.
Wann die Regeln keine Hürde sind
Die Anforderungen sind nicht in jedem Fall aufwendig. Wer Claude nutzt, um Offerten zu formulieren, Protokolle zusammenzufassen, Support-Antworten vorzuschlagen oder Code zu schreiben, bewegt sich ausserhalb der Hochrisiko-Bereiche. Dort gelten die allgemeinen Regeln: keine illegalen Zwecke, kein unbefugter Zugriff auf Systeme, keine Täuschung.
Auch eine Treuhandfirma, die Claude Buchungsvorschläge machen lässt, die ein Mitarbeiter prüft, erfüllt den Kern der Anforderung bereits. Heikel wird es erst, wenn ein Prozess ohne Prüfung durchläuft, zum Beispiel ein Bewerbungsformular, das Kandidaten automatisch aussortiert und Absagen selbstständig verschickt.
Wer so einen Ablauf betreibt, hat drei Möglichkeiten: eine Prüfstufe einbauen, den Schritt wieder manuell machen oder die Offenlegung in den Prozess aufnehmen. Eine Prüfstufe ist meist die einfachste Lösung. Das Team sieht dann Claudes Vorschlag samt Begründung und entscheidet selbst.
Regionenpolitik: Wer Claude nutzen darf
Die Schweiz gehört zu den unterstützten Ländern. Anthropic schliesst aber Firmen aus, die in einer nicht unterstützten Region gegründet sind, dort ihren Hauptsitz haben oder mehrheitlich von dort ansässigen Personen oder Firmen kontrolliert werden, und zwar unabhängig vom Standort der Mitarbeitenden. Die Seite wurde im Oktober präzisiert.
Für die meisten Schweizer Betriebe ist das kein Thema. Relevant wird es bei Konzernstrukturen, Beteiligungen aus dem Ausland oder wenn Tochterfirmen Claude mitnutzen. Dann lohnt sich eine einmalige Klärung der Eigentumsverhältnisse.
Was Sie bis zum 12. November prüfen sollten
- Bestandsaufnahme: Wo wird Claude heute eingesetzt, und beeinflusst das Ergebnis eine Person (Bewerbung, Kredit, Miete, Beratung)?
- Prüfstufe: Gibt es bei jedem solchen Prozess eine Person, die das Ergebnis liest, ändern kann und dafür geradesteht? Ein Klick auf «Freigeben» ohne Blick auf den Inhalt zählt nicht.
- Offenlegung: Steht in der Absage, der Offerte oder der Beratung ein Hinweis, dass KI beteiligt war?
- Agenten: Laufen Automatisierungen mit Claude ohne Prüfung bis zur Kundschaft? Die Policy macht Betreiber für Aktionen ihrer Agenten verantwortlich.
- Eigentumsverhältnisse: Passt die Firmenstruktur zur Regionenpolitik?
Zur Kennzeichnung von KI-Inhalten gegenüber Kundschaft gibt es einen eigenen Beitrag: KI-Kennzeichnungspflicht in der Schweiz.
Datenspeicherung: Enterprise Frontier Safeguards
Ein verwandtes Thema betrifft die Daten. Seit Fable 5 gilt laut Anthropic eine Aufbewahrung von 30 Tagen, um Missbrauch über mehrere Sitzungen und Konten hinweg zu erkennen. Für Firmen mit strengen Auflagen soll «Enterprise Frontier Safeguards» (EFS) einen Weg bieten: Die Überwachungsdaten liegen in der Cloud des Kunden, Meldungen gehen direkt an dessen Team, und Anthropic-Personal sieht sie nicht. EFS wird ab Herbst schrittweise eingeführt. Bis dahin erhalten berechtigte Kunden Zero Data Retention auf Fable 5 und Fable 5.1.
Für kleinere Betriebe ist EFS vorerst eher eine Einordnung als eine Handlungsaufforderung. Wer sensible Daten verarbeitet, sollte die Datenhaltung aber mit der IT-Partnerin oder dem Datenschutzverantwortlichen anschauen. Hintergründe zur Datenablage in der Schweiz liefert Claude Datenresidenz und Geo-Pinning.
Nächster Schritt
Wenn Claude in Ihren Abläufen Entscheidungen über Personen vorbereitet, lässt sich die Prüfstufe meist ohne grossen Umbau ergänzen. Hedinger-Digital baut solche Abläufe im Rahmen der KI-Integration, mit sichtbarer Freigabe durch eine Person und einem Hinweis auf den KI-Einsatz. Ein erster Überblick über Ihre Prozesse ist über das Kontaktformular möglich.
Dieser Beitrag fasst die Vertragsbedingungen eines Anbieters zusammen und ist keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Ab wann gilt die neue Usage Policy von Anthropic?
Die aktualisierte Usage Policy tritt am 12. November 2026 in Kraft. Anthropic hat sie am 8. Oktober 2026 veröffentlicht. Bis dahin gilt die bisherige Fassung, die auf der Policy-Seite weiterhin als «Previous Version» abrufbar ist.
Ändern sich die Regeln für den normalen Büroeinsatz von Claude?
Nach Angaben von Anthropic dienen die meisten Änderungen der Klarstellung bestehender Regeln. Texte entwerfen, Dokumente zusammenfassen, E-Mails vorbereiten oder Code schreiben sind davon nicht betroffen. Relevant wird die Policy, sobald Claude Empfehlungen zu Personen erarbeitet, etwa bei Bewerbungen, Krediten, Mietverträgen oder rechtlicher und medizinischer Beratung.
Was heisst «qualified human in the loop» konkret?
Eine Person mit der nötigen Ausbildung oder Erfahrung im jeweiligen Gebiet prüft die KI-Empfehlung inhaltlich, bevor sie weitergegeben oder umgesetzt wird. Sie darf die Empfehlung ändern und bleibt für Richtigkeit und Angemessenheit verantwortlich. Wo das Gesetz für die Tätigkeit eine Lizenz verlangt, muss die Person diese besitzen. Ein automatisches Durchwinken genügt nicht.
Muss ich Kundinnen und Bewerbern mitteilen, dass KI im Spiel war?
Bei Empfehlungen in den definierten Hochrisiko-Bereichen ja: Betroffene müssen klar erfahren, dass KI zur Beratung oder Entscheidung beigetragen hat. Anthropic, Claude oder das Modell müssen dabei nicht genannt werden. Unabhängig davon können lokale Gesetze weitergehende Informationspflichten vorsehen, zum Beispiel das Schweizer Datenschutzgesetz bei automatisierten Einzelentscheidungen.
Ist die Schweiz ein unterstütztes Land?
Ja, die Schweiz steht auf der Liste der unterstützten Länder. Ausgeschlossen sind Personen in nicht unterstützten Regionen, Firmen mit Sitz dort sowie Firmen, die mehrheitlich von Eigentümern aus diesen Regionen kontrolliert werden. Anthropic hat die Seite im Oktober 2026 präzisiert, wie diese Regel durchgesetzt wird. Wer Tochtergesellschaften oder ausländische Eigentümer hat, sollte die Eigentumsverhältnisse einmal prüfen.
Gilt die Policy auch, wenn ich Claude über Amazon Bedrock nutze?
Ja. Die Usage Policy gilt für Apps wie Claude.ai und Claude Code, für die API sowie für Kundschaft, die Claude über Cloud-Anbieter und autorisierte Wiederverkäufer nutzt. Sie gilt auch für Endnutzer von Produkten, in die Claude eingebaut ist. Wer eine Lösung für Kundschaft baut, bleibt also für die Einhaltung verantwortlich.
Was passiert bei einem Verstoss?
Anthropic kann warnen, den Zugang drosseln, einschränken, sperren oder beenden. Die Policy hält ausserdem fest, dass eine blockierte Ausgabe nicht automatisch einen Verstoss bedeutet, da zusätzlich Echtzeit-Schutzmechanismen laufen.
Quellen
- 2026 Usage Policy updateanthropic.com · Anthropic · 2026
- Usage Policy (effective November 12, 2026)anthropic.com · Anthropic · 2026
- Supported countries and regionsanthropic.com · Anthropic · 2026
- Developing Enterprise Frontier Safeguards with our customersanthropic.com · Anthropic · 2026


